Donnerstag, 10. März 2011

Resteverwertung - Ein Schneidbrett

Den Bau des Schreibtisches empfand ich für ein Erstlingswerk als Großprojekt. Nun wollte ich etwas Schnelles über die Bühne bringen, das keine lange Planung erfordert.
Zudem wollte ich meine neuen Maschinen ausprobieren (nagelneue TKS und ADH) und dazu gleich ein paar Holzreste verwerten.
Ich nahm mir daher ein einfaches Schneidbrett vor.

Die Idee

Damit es nicht allzu einfach und auch nicht allzu alltäglich wird, sollte es ein Hirnholzbrett werden, mit konstruktiven Wagnissen.
Darüber hatte ich in den letzten Wochen gelesen und es hat mein Interesse geweckt. Ein Brett mit Hirnholzfläche soll der Schneide des Küchenmessers gut tun, da die stehenden Holzfasern vor der Schneide "beiseite weichen" können. Ob das stimmt kann ich schwer beurteilen, aber es klingt zumindest recht plausibel.

Die Brettfläche

Ich begann damit, Streifen von einem gehobelten Brett zu sägen und so zu verleimen, dass das Hirnholz eine Fläche bildet.

Nach dem Verleimen erhielt ich eine sehr unebene Fläche, weil ich einerseits offenbar die Kanten nicht exakt gefügt hatte und andererseits beim Verleimen alles etwas verrutscht ist.

Hirnholzhobeln ist eine eigene Disziplin, gerade bei einer ganzen Fläche von selbigen. Nichts für Hobelbeginner wie mich, deren Bestand an Handhobel aus einem Rali und einem Einhandhobel besteht.

Über die Abrichte bzw. durch den Dickenhobel wollte ich es auch nicht schieben, weil ich Zweifel hatte, ob es mir dabei nicht die zusammen geleimten Klötze in ihre Einzelteile zerlegt.

Kein Problem: Ideale Gelegenheit, eine andere Technik zu versuchen: Die Fläche wird mit der Oberfräse plan gefräst.


Gesagt, getan. Kleine Vorrichtung gebastelt und los ging's.














Das Ergebnis war sehr zufriedenstellend:
absolut eben.
Die Kanten müssen ohnehin noch behandelt werden, also sind die Ausrisse egal.





Die Herausforderung

Ein Nachteil einer Hirnholzkonstruktion ist, dass das Holz auf diese Weise unter Einwirkung eines Küchenmessers oder Hackebeils leicht gespalten werden kann.
Die großen, schweren Hackpflöcke eines Fleischers sind (oder waren früher?) oft mit Hirnholzflächen gefertigt. Damit der Fleichhacker nicht zum Holzhacker wird, sind diese Bretter oft mit Stahlgürtel ummantelt, die das Holz zusammenhalten.
Da ich kein Metaller bin, sieht mein Ansatz einen Holzrahmen vor, der überdies dekorativ wirken soll.

Damit das ganze gut hält, wird eine Feder eingeleimt.












Das Wagnis

Hier befindet sich der konstruktive Fauxpas. Ich verleime Längs- mit Querholz und das bei einem Teil, der aufgrund seiner Verwendung in der Küche öfters Feuchtigkeits-/Trocknungszyklen unterworfen sein wird.
Ich bin schon gespannt, ob und wie lange das Brett halten wird, bevor die Gehrungen des Rahmens durch eine sich ausdehnende Brettfläche gesprengt werden - oder ob die Absperrung durch den Rahmen kräftig genug ist.
Das Schneidbrett ist in dieser Hinsicht also auch ein Versuchsballon, um das tatsächliche Verhalten des Holzes in der Praxis zu studieren.

Das Ergebnis
Das Finish nach dem Schleifen erfolgte mit Olivenöl. Somit brauche ich mir keine Gedanken um die Lebensmitteltauglichkeit zu machen.
Und so sieht es dann aus...

Es war sehr befriedigend, dieses mal in kurzer Zeit zu einem greifbaren Ergebnis zu kommen.

Als Holz habe ich Ahorn & Mahagoni verwendet.


UPDATE März 2012:
Nach einem Jahr intensiver Nutzung ein Blick auf die Holzverbindungen: noch alles dicht? Spannungen durch die Längs-/Querholzverleimung?
Alles bestens! Die Oberfläche ist vom Messer zwar schon etwas gezeichnet, aber die Ecken schauen noch tadellos aus.






Kommentare:

  1. ein Jahr später, wie sieht das Brett jetzt aus?

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    1. Ich habe mal eine kleine Aktualisierung vorgenommen. Schaut noch alles einwandfrei aus.

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  2. Das Brett schaut wirklich noch sehr gut aus. Hätte gedacht das es mehr verkrazt und schneller abgenutzt aussieht. Aber das war ja gar nicht der Fall. Danke fürs Update.

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